Montag, 23 September 2019
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UG Notobrasilia Havlicek 1989

UG Notobrasilia Havlicek 1989

Typus: Notocactus alacriportanus

Autor:

Havlicek, R. (1989): Kaktusar (CZ): 18

Literatur:

Neduchal, J. Notocactus - Bilanz 1998: Neu-Isenburg 1999, S. 29 - 32.
Gerloff, N. & Neduchal, J.: Taxonomische Neubearbeitung der Gattung Notocactus Frankfurt 2004

Beschreibung:

Körperbau: Pflanzen selten groß, zierlich bis flachkugelig, selten etwas verlängert, kurzzylindrisch, manchmal auch verformt. Pflanzen einzeln, seltener in der Natur sprossend; Körper wesentlich weicher als bei verwandten Untergattungen. Fleisch manchmal rötlich anlaufend. Mit vertieftem nicht schiefem Scheitel, der (bis auf N. rechensis )lange, hauptsächlich in der Wachstumsphase nicht bedornt ist. Epidermis hell- bis dunkelgrün, olivgrün, manchmal rötlich-blau anlaufend (standortabhängig). Notobrasilien sind sehr variabel und verändern sich wesentlich unter dem Einfluss von Pflegemaßnahmen / Pfropfungen (Sprosse); Faserwurzeln - mit Ausnahmen.

Rippen: Ca. 25 und mehr, in warzigen, meist gedrehten Reihen, wenige mm hoch, bestehend aus mammillenförmigen Höckern. Areolen: Meist weißfilzig bis gelblich, rundlich, auf den mammillenförmigen Höckern und Rippen sitzend.

Dornen: Ziemlich zahlreich, nadel- bis borstenförmig, dünnelastisch, mehr oder weniger gerade. Randdornen um die 20, kürzer als die 4-7 Mitteldornen, die etwas stärker und dunkler sind, unter ihnen die untersten 1 bis 4 meist gewunden bis hakenförmig und bis 3 cm (und auch mehr) lang. Farbe ist von weißlich-gelb bis braun oder dunkelrotbraun, Mitteldornen auch meliert vorkommend. Wesentlich unterschiedlich zu Bedornung der Parodia - Arten, bei denen zusätzlich noch die 4 Mitteldornen im Kreuz stehen.

Blüten: Um den vertieften Scheitel entspringend, Röhre becher- trichterförmig. Blüten mittelgroß bis ziemlich klein (max. 20 - 45 mm), innen gelb bis goldgelb, außen mit mehr grünlicher Färbung, öfter mit braunrotgehauchtem Mittelstreifen an den Kronblättern. Die Wandung ist dick, der Übergang vom Fruchtknoten in die Röhre ist von außen nicht erkennbar. Fruchtknoten etwas breiter als lang, grün. Schuppen zahlreicher als bei anderen verwandten Untergattungen, sehr klein, spitz, meist etwas grannig endend. In den Achseln stärkere Wollbüschel und einige feine aber stechende Borsten. Staubblätter umschließen im breiten Kranz die Nektarrinne, die sehr klein und mit sehr wenig Nektar ausgestattet ist. Staubfäden weißlich gelb bis gelb, dünn; Insertion auf der ganzen Röhre, dicht, Beutel gelb, klein, sehr unterschiedlich hoch stehend. Griffel gelb mit meist sehr kurzen gelben Narbenästen (6 - 13), welche die Beutel überragen und öfters in Paaren zusammenhängen bleiben oder sich nicht öffnen. Kronblätter sind umgekehrt lanzettförmig bis linearisch, unten nur wenig verschmälert, oben gerundet bis zugespitzt, mäßig groß, Innenseite immer gelb, außen manchmal grünlich bis rötlich - im Jungstadium; bei reifer Knospe grünlich, aber meistens mit rotem Hauch. Befruchtungsverhältnisse nicht einheitlich, variiren auch innerhalb einzelner Arten. Blütezeit wesentlich früher als bei verwandten UG, im zeitlichen Frühjahr. Vormittagsblüher. Blüten öffnen morgens für mehrere Tage, mit der Zeit öffnen die Blüten in der Kultur auch nachmittags. Blüten von N. alacriportanus duftend.
Knospenbildung: Bei den Notobrasilien erscheint im ersten Stadium der Knospenentwicklung eine kleine, meistens gelblich gefärbte Knospenspitze in der Areole . Diese ist völlig nackt, ohne Behaarung / Wolle. Erst später (nach 2-4 Wochen) entwickelt sich nach und nach Wolle, von weißer bis dunkelbrauner oder graubrauner Farbe.

Früchte: Denen der Gruppe um N. concinnus (Untergattung Gymnocephalus) etwas ähnlich, fast kugelig, mit spärlich reduzierter Wolle und feinen stechenden Borsten besetzt. Meist bei der Reife grün, selten rotbraun oder rot, dünnwandig, gewöhnlich auf der Pflanze mit Blütenresten eintrocknend, meistens an der Basis öffnend. Durch Witterungseinflüsse rasch zerfallend.

Samen: Ähnlich der UG Brasilicactus aber kürzer, flach eiförmiger bis glockenförmiger Gestalt, über 1 mm groß. Die überwiegend schwarze Testa trägt in Reihen angeordnete Höcker. Hilumrand sehr wenig nach außen gebogen, hier hat der Saum den größten Umfang. Der HMB hat die gleiche ovale Form, ist länglich, der Micropylaranteil und der etwas größere Teil der Abrissnarbe sind ebenso stark gegeneinander abgewinkelt (mit Ausnahme des fast abseits der Untergattung stehenden N. rechensis). Der Micropylarhügel ist ebenso zur zentralen Micropyle hin gewölbt. Der HMB ist am Ansatz des Funiculus stark verschmälert, dadurch die flach eiförmige Gestalt. Es sind keine korkartigen Auswüchse an Samen, wie bei den Parodien, vorhanden. Mit Ausnahme von N. rechensis zeigen alle Arten in ihren Samen keine erkennbaren Unterschiede. Die Keimfähigkeit der Samen lässt bei der Untergattung sehr rasch und stark nach der Samenreife nach. Manche Jahre konvergiert die Keimfähigkeit vom Anfang an zu Null.

Typstandort: Apparados da Serra, in höheren Lagen des östlichen Grenzgebietes der brasilianischen Staaten Rio Grande do Sul und Santa Catarina. Aparados da Serra sind Ausläufer des Massifs Serra Geral in Richtung Atlantik, wo sie zu den Lagunen abfallen. N. rechensis bei ca. 900 m, die andren zwischen 1000 und 1400 m. Das kleinste Areal unter den Notokakteen. Notobrasilien stehen gerne zwischen Moos und Flechten, so wurde früher immer berichtet, aber auch im Gras, auf Steinplatten. Wichtig ist die erfrischende Feuchtigkeit. Teile des Areals sind unter Schutz gestellt worden, gehören nämlich zu den Bereichen des ` ` `Parc Nacional Aparandos da Serra` - auf der Seite des Rio Grande do Sul, in Santa Clara ist es der ` ` Parc Nacional Sao Joaquim`. Eine Hoffnung auf Erhalt der Untergattung könnte es ja sein, wenn man die Berichte aus den früheren Reisen über die Ausrottung ganzer Populationen nicht so ernst nimmt - und sich Bilder der letzten Forschungsreise von N. Gerloff anschaut. In Begleitung von Notobrasilien findet man auch N. linkii und ottonis sowie deren Formen bzw. Varietäten. An den Steilwänden der Täler oder am Rande der Abgründe, den Fortalezas, findet man in der Nähe der Notobrasilien auch N. graessneri.

Notocactus aurisetus var. longispinus n.n. HU 73

Notocactus aurisetus var. longispinus n.n. HU 73

Literatur:

  • Die Gattung Brasiliparodia Ritter (Teil 4), A. Gebauer in Informationsmaterial der AG Notocactus 1989 S. 7
  • Kakteen - Sukkulenten Jahrg. 14, Heft 1-4 1979, Die Gattung Notocactus von G. Schäfer, Dresden 1980 S. 24 f
  • INTERNOTO Jg. 30 Heft 4 S. 100 - 102

Notocactus aurisetus var. longispinus ist in einigen Sammlungen unter Sammelnummer HU 73 vertreten. Diese Arbeitsbeschreibung will die Kenntnis über diese Pflanzen festhalten.

Die Heimat der Pflanzen

Der Typus der Art - Notocactus aurisetus (= goldborstig) wurde als HU 68 in der Umgebung von Cambara gesammlt. Notocactus aurisetus var. longispinus (=langdornig) n.n. HU 73 ist die Varietät mit den längeren Dornen – sie stammt aus der Gegend des Ortes Bom Jardim da Serra, der im südlichen Teil des Staates Santa Catarina liegt. Die Gegend ist 1000 m bis 1300 m hoch und gehört zum Küstengebirge. Im Winter kann hier auch mal Schnee fallen.
Im Internet fand ich für die Wetterstation Porto Uniço in 778 m Höhe, dass im Juni und Juli die Tagestiefsttemperaturen im Durchschnitt auf 7°C fallen können, was in Einzelfällen Frost bedeutet. Andererseits steigen die Tageshöchstwerte im selben Monat bis auf 18°C an, so dass der Boden nie durchfriert. Im Hochsommer, Januar schwanken die Höchstwerte zwischen 17°C und 28°C. Auch regnet es mit 120 mm in diesen Monaten nur etwas weniger wie in den anderen Monaten. (http://de.allmetsat.com/klima/brasilien.php?code=83864)
Als landwirtschaftliche Nutzpflanzen werden vorwiegend Kartoffeln und Äpfel angebaut werden. Die meiste Graslandschaft dient als Weide.
Alle pflanzenbezogenen Informationen beziehen sich auf zwei Pflanzen von Dr. Uwe Prange von HU 73; erstanden und beschrieben im Laufe des Jahres 2009.

Arbeitsbeschreibung: 

Der Körper ist dunkelgrün, kurzsäulig, 55 mm hoch und 40 mm Ø. ~ 24 Rippen verlaufen weitgehend vertikal (mit dem Alter kann es zum Einschieben weiterer Rippen kommen bzw. zum Einziehen derselben. Die Rippen sind in Höcker aufgeteilt, auf denen die Areolen sitzen. Die Rippen sind 3 mm tief und haben einen Abstand von 5 mm.
Die Areolen sind 2 mm Ø, leicht vertikal oval, cremeweiß. Der Areolenabstand an der Scheitelkante beträgt 4 mm. Die Dornen sitzen wie auf einem Nadelkissen, weißglasig, strahlend in alle Richtungen. Die ~ 16 Randornen sind ~ 4 mm lang. Ein Mitteldorn weist schräg nach oben und ist 11 mm lang, ein weiterer ist ~ 15 mm lang und weist schräg nach unten. Alle Dornen sind sehr fein, leicht stechend.
Die Knospen erscheinen aus der Scheitelregion und erblühen aud dem Scheitelrand. (Eine Pflanze trug 11, die andere 3 Knospen). Die Blütenröhre ist zylindrisch, 15 mm lang und 7 mm Ø, erweitert sich am Kelchboden und läuft dann spitz zu. An der grünen Blütenröhre befinden sich einige Areolen mit auffallender graubrauner Wolle und einzelnen längeren Haaren, die auf der Höhe des Kelchbodens einen deutlichen Kranz bilden.
Die ca. 50 Blütenblätter sind 20 mm lang, goldgelb, die äußeren mit einem rölichen Streifen an der Außenseite. Die Blütenöffnung ist bis zu 40 mm weit. Die Blüten duften intensiv (eine Zuordnung zu bekannten Duftnoten war aber nicht möglich), öffnet gegen 11 Uhr. Die 6 bis 8 Narbenäste sind 4 mm lang, sind etwas heller wie die Blütenblätter, teilweise zu zweit verklebt, die Narbe ist 20 mm lang, 0,8 mm Ø und erhebt sich über die Staubbeutel hinaus. Die Staubfäden sind überall in der Kelchwand inseriert und sind sehr zahlreich, in der Farbe der Blütenblätter. Das Ovarium ist 8 mm hoch und 6 mm breit.
Die Früchte sind kugelige Beeren, ~ 7 mm im Durchmesser und bleiben lange Zeit grün, sind locker mit Areolen besetzt, die Wolle aufweisen und fein bedornt sind. Innerhalb weniger Tage wird die Beere außen schwarz und trocknet aus.

Kultur:

Die Pflanzen der Untergattung Notobrasilia (Havlicek 1989) gelten als schwierig in der Kultur und der Samen keimt sehr schlecht. Bei Notocactus rechensis (Buining) fiel mir auf, dass die Pflanzen sich im Frühbeet wohler fühlen wie im Gewächshaus. Auf Grund ihres natürlichen Standortes können sie vielleicht heiße Temperaturen weniger gut vertragen und brauchen mehr Luft. Auch sollten die Töpfe nie ganz austrocknen, da die Pflanzen keine ausgeprägte Trockenperiode kennen und das Wurzelsystem dafür nicht ausgerüstet erscheint.
Samen, den ich dieses Jahr ernten konnte, werde ich wie zum Teil bei Frostkeimern Minustemperaturen aussetzen und schauen, ob ich dadurch eine bessere Keimrate erreichen kann.
Für die Unterstützung bei der Erstellung und Durchsicht des Textes danke ich Norbert Gerloff.

 

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