Notocactus aurisetus var. longispinus n.n. HU 73

Literatur:

  • Die Gattung Brasiliparodia Ritter (Teil 4), A. Gebauer in Informationsmaterial der AG Notocactus 1989 S. 7
  • Kakteen - Sukkulenten Jahrg. 14, Heft 1-4 1979, Die Gattung Notocactus von G. Schäfer, Dresden 1980 S. 24 f
  • INTERNOTO Jg. 30 Heft 4 S. 100 - 102

Notocactus aurisetus var. longispinus ist in einigen Sammlungen unter Sammelnummer HU 73 vertreten. Diese Arbeitsbeschreibung will die Kenntnis über diese Pflanzen festhalten.

Die Heimat der Pflanzen

Der Typus der Art - Notocactus aurisetus (= goldborstig) wurde als HU 68 in der Umgebung von Cambara gesammlt. Notocactus aurisetus var. longispinus (=langdornig) n.n. HU 73 ist die Varietät mit den längeren Dornen – sie stammt aus der Gegend des Ortes Bom Jardim da Serra, der im südlichen Teil des Staates Santa Catarina liegt. Die Gegend ist 1000 m bis 1300 m hoch und gehört zum Küstengebirge. Im Winter kann hier auch mal Schnee fallen.
Im Internet fand ich für die Wetterstation Porto Uniço in 778 m Höhe, dass im Juni und Juli die Tagestiefsttemperaturen im Durchschnitt auf 7°C fallen können, was in Einzelfällen Frost bedeutet. Andererseits steigen die Tageshöchstwerte im selben Monat bis auf 18°C an, so dass der Boden nie durchfriert. Im Hochsommer, Januar schwanken die Höchstwerte zwischen 17°C und 28°C. Auch regnet es mit 120 mm in diesen Monaten nur etwas weniger wie in den anderen Monaten. (http://de.allmetsat.com/klima/brasilien.php?code=83864)
Als landwirtschaftliche Nutzpflanzen werden vorwiegend Kartoffeln und Äpfel angebaut werden. Die meiste Graslandschaft dient als Weide.
Alle pflanzenbezogenen Informationen beziehen sich auf zwei Pflanzen von Dr. Uwe Prange von HU 73; erstanden und beschrieben im Laufe des Jahres 2009.

Arbeitsbeschreibung: 

Der Körper ist dunkelgrün, kurzsäulig, 55 mm hoch und 40 mm Ø. ~ 24 Rippen verlaufen weitgehend vertikal (mit dem Alter kann es zum Einschieben weiterer Rippen kommen bzw. zum Einziehen derselben. Die Rippen sind in Höcker aufgeteilt, auf denen die Areolen sitzen. Die Rippen sind 3 mm tief und haben einen Abstand von 5 mm.
Die Areolen sind 2 mm Ø, leicht vertikal oval, cremeweiß. Der Areolenabstand an der Scheitelkante beträgt 4 mm. Die Dornen sitzen wie auf einem Nadelkissen, weißglasig, strahlend in alle Richtungen. Die ~ 16 Randornen sind ~ 4 mm lang. Ein Mitteldorn weist schräg nach oben und ist 11 mm lang, ein weiterer ist ~ 15 mm lang und weist schräg nach unten. Alle Dornen sind sehr fein, leicht stechend.
Die Knospen erscheinen aus der Scheitelregion und erblühen aud dem Scheitelrand. (Eine Pflanze trug 11, die andere 3 Knospen). Die Blütenröhre ist zylindrisch, 15 mm lang und 7 mm Ø, erweitert sich am Kelchboden und läuft dann spitz zu. An der grünen Blütenröhre befinden sich einige Areolen mit auffallender graubrauner Wolle und einzelnen längeren Haaren, die auf der Höhe des Kelchbodens einen deutlichen Kranz bilden.
Die ca. 50 Blütenblätter sind 20 mm lang, goldgelb, die äußeren mit einem rölichen Streifen an der Außenseite. Die Blütenöffnung ist bis zu 40 mm weit. Die Blüten duften intensiv (eine Zuordnung zu bekannten Duftnoten war aber nicht möglich), öffnet gegen 11 Uhr. Die 6 bis 8 Narbenäste sind 4 mm lang, sind etwas heller wie die Blütenblätter, teilweise zu zweit verklebt, die Narbe ist 20 mm lang, 0,8 mm Ø und erhebt sich über die Staubbeutel hinaus. Die Staubfäden sind überall in der Kelchwand inseriert und sind sehr zahlreich, in der Farbe der Blütenblätter. Das Ovarium ist 8 mm hoch und 6 mm breit.
Die Früchte sind kugelige Beeren, ~ 7 mm im Durchmesser und bleiben lange Zeit grün, sind locker mit Areolen besetzt, die Wolle aufweisen und fein bedornt sind. Innerhalb weniger Tage wird die Beere außen schwarz und trocknet aus.

Kultur:

Die Pflanzen der Untergattung Notobrasilia (Havlicek 1989) gelten als schwierig in der Kultur und der Samen keimt sehr schlecht. Bei Notocactus rechensis (Buining) fiel mir auf, dass die Pflanzen sich im Frühbeet wohler fühlen wie im Gewächshaus. Auf Grund ihres natürlichen Standortes können sie vielleicht heiße Temperaturen weniger gut vertragen und brauchen mehr Luft. Auch sollten die Töpfe nie ganz austrocknen, da die Pflanzen keine ausgeprägte Trockenperiode kennen und das Wurzelsystem dafür nicht ausgerüstet erscheint.
Samen, den ich dieses Jahr ernten konnte, werde ich wie zum Teil bei Frostkeimern Minustemperaturen aussetzen und schauen, ob ich dadurch eine bessere Keimrate erreichen kann.
Für die Unterstützung bei der Erstellung und Durchsicht des Textes danke ich Norbert Gerloff.

 


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